Sakura – Die Kirschblüte

Eigentlich wollte ich euch beim nächsten Blogbeitrag etwas über unser Pflaster erzählen. Doch dann kam die Kirschblüte dazwischen. Seit ein paar Tagen blühen unsere zwei Zierkirschen im Vorgarten um die Wette. Die herrlich opulent gefüllten, zartrosa Blüten sind für mich die reinste Freude. Sie künden von Frühling, Erneuerung und Schönheit. Sie berichten von der Fülle und Pracht der Natur und vom Reichtum, der uns überall umgibt. Und das Schönste ist, dass ein Baum direkt vorm Küchenfenster steht. Sooft es geht, werfe ich einen Blick auf das Blütenmeer, denn es vergeht so schnell, wie es kommt. Die letzten Tage öffneten sich mehr und mehr Blüten, doch leider war es auch jeden Tag trüb und der Himmel grau. Nur heute zeigte sich für vielleicht drei Stunden die Sonne und der Himmel wurde blau. Ganz so als spiegelte das Wetter die Kirschblüte wider. Ich nutzte die Zeit für ein paar Fotos, die ich euch hier gerne zeigen möchte. Ganz nach dem Motto „Carpe diem“ – „Nutze den Tag“ wörtlich übersetzt „Pflücke den Tag“, was mir in diesem Zusammenhang fast noch besser gefällt.

In der Kürze liegt die Würze – zumindest manchmal, und deshalb verabschiede ich mich für heute.

Ich wünsche Euch viel Inspiration und bis bald,

Eure Manuela

„Verzier Dich!“ oder Wie unsere Veranda Schnörkel bekam

Heute möchten wir euch auf unserer Veranda willkommen heißen. Der Übergang vom Drinnen zum Draußen ist bei den meisten klassischen Schwedenhäusern eine hölzerne Veranda, eingefasst von einem Geländer, und mit Dach oder Balkon darüber, oder, bei kleineren Häusern, wenigstens ein überdachter Eingangsbereich. Es ist dies ein geschützter Bereich, der den Übergang vom privaten zum öffentlichen Raum abmildert. Ein Platz zum Begrüßen von Besuch, zum Öffnen eines Regenschirms ohne nass zu werden, oder um den Schlüsselbund hervorzukramen. In jedem Fall auch ein Bereich, den man schön gestalten kann. Und darum geht es im heutigen Blogbeitrag.

Bei den bisherigen Bildern sieht man unsere Veranda mit dem Geländer so, wie sie ursprünglich geplant und auch gebaut wurde. Nämlich mit Öffnung nach vorne und symmetrisch. Allerdings stellte sich bald heraus, dass es so zwar schön aber unpraktisch war. Kurzerhand beschlossen wir, eines der Seitengeländer herauszunehmen und vorne einzusetzen. Es war etwas zu kurz, weshalb es verlängert wurde und dann weiß nachgestrichen. Das geht ganz einfach bei einem Holzhaus! Übrigens haben wir auch den Handlauf weiß gestrichen, so gefiel es uns besser.

Eine ganz tolle Sache sind die in Schweden typischen Verzierungen aller Art. Damit kann man sein Haus ohne großen Aufwand persönlicher machen. Vom Windbrett am Dach über Giebelschmuck, Eckenornamenten bei der Veranda, Fensterverzierungen oder einem Geländer mit Muster – alles ist möglich ohne jemals kitschig zu wirken, für jeden Geschmack gibt es das richtige. Man denke nur an die Villa Kunterbunt.

Nun, bei unserem klassischen Michel sind bereits ein paar Verzierungen inklusive. Doch wir wollten mehr. Eckverzierungen bei der Veranda! Damit liebäugelten wir schon lange.

Wie also vorgehen? Zuerst überlegten wir, ob es möglich war, die Verzierungen selbst anzufertigen. Uns schwebte ein filigranes Muster mit vielen kleinen Details und geschwungenen Linien vor. Würde sich das machen lassen? Schwierig. Also suchten wir im Internet nach vorgefertigten Stücken. Wir entdeckten eine schwedische Seite, Gaveldekor, die auch in Deutsch und Englisch abrufbar ist und über die man bestellen kann. Hier findet man jegliche Arten von Verzierungen für ein Schwedenhaus. Beim Scrollen durch die Ecken-Zierornamente wurde unser Lächeln immer breiter – genau so etwas hatten wir gesucht! Und auch der Preis ist super, wenn man bedenkt, dass man sich jeden Tag an den Verzierungen erfreuen darf.

Dann hatten wir die sprichwörtliche Qual der Wahl von ganzen 27 Varianten, jede nochmals in bis zu 7 Größen. Wir suchten dann eine Handvoll Dekore aus und druckten die Outline aus, was sehr empfehlenswert ist, da etwas ausgedruckt immer anders wirkt als auf dem Bildschirm. Hiervon fielen wiederum ein paar Varianten weg. Von denen, die es in die engere Wahl geschafft hatten, fertigte ich Dummys durch Ausschneiden an. Zum Wegschneiden der kleinen Innenteile eignet sich eine Nagelschere. Dann geht es ans Ausprobieren. Den Dummy anbringen (z.B. mit Masking Tape) und die Wirkung prüfen, am besten aus verschiedenen Abständen und Blickwinkeln. Zusätzlich kann man ausprobieren, ob einem hoch oder quer montiert besser gefällt, denn anbringen kann man die Verzierungen je nach Geschmack. Ist die Wahl getroffen, braucht man nur noch die endgültige Größe festzulegen. Ein letzter Dummy, möglichst 1:1 ausgedruckt, hilft bei der Entscheidung, noch besser sind zwei. Dort, wo der Abstand zwischen den Säulen am geringsten ist, sollte man in jedem Fall die Optik prüfen, wenn beide Verzierungen angebracht sind. Bei der Größe kann man sich schnell verschätzen. Dann stand die Entscheidung fest. Das Zierornament 013 liegend in der Größe 39,8 x 35 cm sollte es sein. Es ist wunderschön floral und schnörkelig. Ich mag Schnörkel sehr. Wir bestellten für jedes Eck eine, insgesamt 10 Stück in Standarddicke 18 mm.

Nachdem die Teile geliefert und wir hin und weg waren, fing unsere Arbeit an. Der zweifache Anstrich mit Wetterschutzfarbe braucht etwas Zeit, macht aber Spaß. Wir haben die Farbe direkt ohne Grundierung aufgetragen. Die Farbe nicht zu dick auftragen und die Trocknungszeit zwischen den beiden Anstrichen laut Herstellerangaben beachten.

Dann konnten wir uns ans Montieren machen. Das Material besteht aus Birkensperrholz. Die getrockneten Holzlagen werden beleimt, kreuzweise übereinander gelegt und unter Wärmeeinwirkung gepresst. Dadurch wird eine hohe Stabilität erreicht und es können sehr filigrane Muster ausgefräst werden. Üblicherweise befestigt man Terrassen-Zierornamente in Kombination mit Leim und einer Schraube an jeder Spitze. Auf den Leim haben wir verzichtet. Das Holz der Säulen ist sehr hart, weshalb es gut ist, bei den Spitzen der Verzierungen Löcher vorzubohren, etwas geringer im Durchmesser als die Holzschraube. So verhindert man, dass die Holzlagen splittern. Wir haben die Spitzen leicht schräg angebohrt, da die Montage so leichter war. Nach dem Anbringen kam noch ein Klecks Farbe über den noch sichtbaren Schraubenteil und voilà, fertig war unsere einzigartige Veranda.

Ein paar weitere Kleinigkeiten zur Individualisierung unseres Schwedenhauses möchten wir euch heute noch vorstellen: Die Hausnummer, den Postkasten und eine Glocke neben der Eingangstür.

Die Ziffern für unsere Hausnummer haben wir aus Holz von einem Freund ausschneiden lassen. Zuvor habe ich auch hier Dummys aus Papier ausgedruckt, nachdem ich mich für eine Schriftart entschieden hatte. Unser
Michel mit der klassischen Holzfassade erlaubte eine maximale Breite von 10 cm, weshalb ich eine Schrift mit schmaler Laufweite ausgesucht habe. Die Holzdicke haben wir ebenfalls der Fassade angepasst, damit die Ziffern nicht vorstehen, und oben mit leichter Schräge versehen, damit Wasser abfließen kann. Lackiert haben wir zweimal mit weißem 2in1 Buntlack, der die Grundierung schon enthält, und für innen und außen geeignet ist, in seidenmatt. Auch hier unbedingt Löcher vorbohren, damit das Holz beim Anschrauben nicht springt.

Zum Postkasten gibt es nicht viel zu erzählen, außer vielleicht, dass wir ein weißes Modell in klassischem Design ausgesucht haben. Wir haben ihn bestellt, angeschraubt und finden ihn sowohl schön als auch zweckmäßig.

Türglocken neben der Eingangstür sieht man häufig bei Schwedenhäusern, und auch uns gefallen sie gut. Wie es der Zufall wollte, entdeckte ich eine solche Glocke während eines Italienaufenthalts. In dem mittelalterlichen, märchenhaft anmutenden Dorf in Grazzano Visconti gibt es zahllose, kleine Geschäfte und Kunsthandwerksläden. Ich habe sie in einem Laden gesehen, der Allerlei aus Metall anbot und wusste, die passt perfekt. Kaum zu glauben, sie hat keine 20 Euro gekostet. Das Dorf ist übrigens einen Besuch wert. Es ist um die Burg von Grazzano erbaut und liegt wenige Kilometer südlich von Piacenza, etwa eineinhalb Stunden südöstlich von Mailand entfernt. Zudem ist es von einem herrlichen Park umgeben. Das Anbringen der Glocke ist ganz simpel wie immer, einfach mit Holzschrauben befestigen, fertig. Wer Bedenken hat, dass die Glocke bei starkem Wind läutet, den kann ich beruhigen, das passiert nicht.

Einige Angaben für Interessierte:

Ich wünsche Euch viel Inspiration und bis bald,

Eure Manuela

Wir bekennen Farbe – der Außenanstrich

Liebe Leser, entschuldigt, dass ihr so lange auf einen neuen Blogeintrag warten musstet! Inzwischen haben wir unser neues Domizil bezogen und waren mit allerlei Dingen beschäftigt, die ein Umzug so mit sich bringt.

Heute zeigen wir euch das Haus, nachdem es den typisch schwedischen rot-weißen Anstirch bekommen hat. Danach konnte das Gerüst abgebaut werden. Der erste Anblick des fertig gestrichenen Hauses ohne Gerüst hat uns total begeistert. Und wir können bestätigen, dass ein Schwedenhaus auf Bildern wunderschön aussieht, aber noch um Häuser schöner ist, wenn man wirklich davorsteht.

Wir hoffen, euch gefallen die Bilder genauso gut wie uns. Bald (dieses Mal wirklich, versprochen) werfen wir einen Blick ins Innere und laden euch ein, Raum für Raum mit uns zu erkunden.

Eine schöne Woche und bis bald, Flo und Manu

Dachdecken, Rohinstallation, Abschluss Hausmontage

Hier kommt der nächste Abschnitt unseres Abenteuers Hausbau. Nachdem das Haus also dicht war, gingen die Arbeiten im Inneren erst richtig los. Jede Menge Steinwolle wird verlegt, die Dampfbremse angebracht, die Rohinstallation läuft parallel, dann werden alle Wände geschlossen. Die restliche Arbeiten an der Fassade folgen, das Dach wird gedeckt. Dann ist die Montage nach gerade einmal 6 Wochen abgeschlossen. Jetzt ist alles bereit für den weiteren Innenausbau.

An dieser Stelle möchten wir uns aus tiefstem Herzen für die tolle Arbeit bedanken! Es gab keine Probleme, nur Lösungen und jede Menge lustige und interessante Geschichten. Einige Zitate haben wir in unsere familieninterne Redewendungssammlung aufgenommen. Wir würden jederzeit wieder ein Schwedenhaus bauen (lassen). 🙂 Danke Veit, danke Thomas, danke Sergej, danke Uwe!

 

 

Ein Teil der Fliesen ist schon da! Neugierig haben wir eine Packung geöffnet und waren hingerissen. Ja, unsere Wahl war die richtige, die Fliesen sind immer noch ein Traum. Zum Greifen nah liegt er jetzt, der Fliesenboden!

Schon bald erzählen wir, wie es weiterging. Bis dahin alles Liebe, Flo & Manu

Die ersten Aufbautage bis das Haus dicht wurde

Der 7.7.2015, ein Dienstag, wird uns immer in Erinnerung bleiben. Welch ein magisches Datum! Zweimal die Sieben! Da kann doch nichts mehr schiefgehen, oder? Das also war der Liefertermin und der erste Aufbautag unseres Schwedenhauses.

Der erste Tag war extrem heiß, um die 35 Grad, nicht ein Wölkchen stand am Himmel. Am Mittwoch regnete es fast durchgehend, mal stärker, mal schwächer und es war deutlich kühler. Am dritten Tag zogen immer wieder Schauer durch. Jedes Mal, wenn wir dachten, das Wetter stabilisiere sich, zogen wieder dicke, dunkle Wolken auf. Erst am vierten Tag hörte der Regen auf und das Haus war inzwischen dicht. Dass auf der Bodenplatte einiges an Wasser stand, mache nichts, sagte uns das Montageteam, in zwei Wochen würde nichts mehr davon zu erkennen sein. Und so war es auch, nach wenigen Tagen war alles wieder trocken.

Auf den Bildern kann man die Entwicklung gut verfolgen. Im Nachhinein betrachtet ist es fast unglaublich, wie schnell und problemlos alles geklappt hat. Nun ja, die richtige Arbeit fing eigentlich gerade erst an… Mehr dazu im nächsten Beitrag. Die Dachsteine warten jedenfalls schon darauf, verlegt zu werden. 🙂

Bis bald und ganz liebe Grüße, Flo & Manu

„Das funktioniert nie!“ oder Wie wir unsere Thermobodenplatte und Gerüst bekamen

Am besten kombiniert man ein Schwedenhaus mit einer „Schwedenplatte“, auch Thermobodenplatte genannt. Da wir beide aus unterschiedlichen Gründen keinen Keller mehr wollten, war die Entscheidung für die optimale Ergänzung zu unserem Haus schnell getroffen. Flo hatte nämlich als „Donaukind“ mehr als einmal miterleben müssen, was Hochwasser im Keller anrichten kann. Und ich hatte genug von „Ach-hol-mir-doch-mal-dieses-und-jenes-aus-dem-Keller“. Meistens lagert man ohnehin nur Dinge ein, die man nie wieder verwendet. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Anders sieht es mit Obst und Gemüse aus; wobei sich ein moderner Keller wegen der niedrigen Luftfeuchtigkeit gar nicht mehr dazu eignet. Wir werden später, wenn der Garten erstes Gemüse und Obst abwirft, einen Erdkeller bauen (es gibt auch Fertigvarianten). Die Thermobodenplatte bietet zudem einige Vorteile, z.B. Schutz vor Kälte und Nässe (keine Kältebrücken), schnelle Bauzeit, kein Estrich mehr notwendig usw. Unsere Bodenplatte hat die Fa. Axxfloor gebaut.

Wir hatten ja schon erwähnt, dass es den einen oder anderen Skeptiker gegenüber dieser Bauweise/dieses Systems gab. „Ja, aber was, wenn … (hier etwas einsetzen, das etwa alle drei Millionen Jahre eintritt)“ oder „Der Schotter wird wegrutschen“, „Die Platte liegt doch nur oben drauf!“ usw. waren die Bedenken. Aber nur, weil dieses System in unseren Breiten kaum einer kennt, heißt das nicht, dass es nicht funktionieren würde. Erst als die Platte lag, verstummten die Zweifler. Wir können nur empfehlen, offen zu sein für Neues und sich von den Vorteilen anstelle der Vorurteile überzeugen zu lassen. 🙂

Unten sieht man, wie die Platte wird gebaut wird, gerade mal zweieinhalb Tage hat es gedauert. Wir hatten an diesen Tagen keinen Urlaub und konnten daher nur Fotos am späteren Nachmittag nach der Arbeit machen.

Zwölf Tage später sollten vier Lastwagen mit unserem Haus aus Schweden anrollen. Einen Tag, bevor das Haus geliefert wurde, musste dann noch die erste Etage des Gerüstes aufgebaut werden. Später wurde uns klar, warum – im nächsten Beitrag sieht man dann, weshalb.

Wir hatten uns die erste Aufbauwoche Urlaub genommen. Wenn man so lange plant, muss man an den ersten Tagen einfach dabei sein. Am Montag Morgen wachten wir auf und lauschten. Ein leises Geräusch. Es regnete. Die Zitterpartie ums Wetter hatte mit den Erdarbeiten begonnen und setzte sich nun fort. Wir fuhren zum Grundstück und unterhielten uns kurz mit den Männern, das bisschen Regen sei kein Problem, versicherten sie uns.

Wir ließen sie also allein und bald waren die Wolken weitergezogen. Bis mittag stand das Gerüst fix und fertig da und die Sonne schien wie zur Versicherung, dass wir uns keine Sorgen machen sollten. Den Anblick des Gerüstes mit der Bodenplatte in der Mitte fanden wir witzig. „Da fehlt doch was!“ 🙂 Bei den meisten umliegenden (Ziegel-)Häusern kam das Gerüst immer erst Monate später, nachdem der Rohbau schon lange stand.

Nur noch einmal schlafen, dann kommt unser eigenes Haus! Was waren wir hibbelig, doch diese letze Nacht schliefen wir beide richtig gut, denn „die Sache war am Laufen“ und jetzt konnten wir ohnehin nichts mehr ändern. Es war an der Zeit, das Ruder aus der Hand zu geben.

Beim nächsten Mal erzählen wir von den ersten Aufbautagen bis das Haus regendicht wurde – der Wettergott stellte uns und das Montageteam gehörig auf die Probe…

Bis bald und alles Liebe, Flo & Manu

Erdarbeiten, Zisterne, Kanalschacht oder „Willkommen im Jurassic Park!“

Es war einer dieser blendend schönen Tage. Wir trafen uns mit dem lokalen „Tiefbauer“ von der Firma Frauscher, Herrn Ing. Gelhart, und besprachen die Anforderungen für die Thermobodenplatte in Kombination mit dem Bodengutachten. Da eine „Schwedenplatte“ so ganz anders funktioniert als eine herkömmliche „Bodenplatte“, war es ein durchaus spannendes Gespräch für beide Seiten. Sämtliche Rohre und Leitungen müssen bei diesem System vorab verlegt werden. Außerdem werden die Heizungsschläuche der Fußbodenheizung gleich in die Bodenplatte eingebaut und somit kann später nichts mehr verändert werden.

Obwohl wir immer wieder zu hören bekamen, dass „das nicht funktionieren kann“, blieben wir eisern bei unserem Weg. Warum sollte es nicht klappen? In Schweden stehen alle Häuser auf so einer Schwedenplatte … und die haben 9 Monate Winter (!). Jedenfalls waren wir sehr froh, dass uns die Fa. Frauscher mit einem Polier der Extraklasse aushalf. Herr Hans Bergthaler war wirklich der berühmte Edelstein, den zu finden man nur einmal im Leben das Glück hat. Kaum hatte der „Rentner“ seine Arbeitshosen an, blühte er auf. Ist ja auch eine großartige Sache, einem über 60-jährigen noch einmal die Chance zu geben, mit einem vollkommen neuen System die berufliche Erfahrungs-Laufbahn zu versüßen. Mit Feuereifer arbeitete er sich durch die Pläne des Architekten und den Vorgaben der Bodenplattenfirma.

Diese Arbeit ist zwar anfangs etwas mehr Aufwand, dafür spart man später Zeit, da kein Estrich mehr zwischen Bodenplatte und Haus notwendig ist. Im Zuge der Erdarbeiten wurde dann auch gleich der Kanalschacht mit Rückstauklappe verlegt. Die (vorgeschriebene) Zisterne kam aus der Nähe von Rosenheim von der Firma Böhm, wurde werkseitig vermörtelt geliefert und in die Erde gesetzt. Das war nicht nur deshalb ein Hammer, weil es inerhalb kürzester Zeit möglich war, nein, auch der Preis spielte eine wichtige Rolle! Der war um ein Drittel billger als der einheimische Anbieter.

Da wir möglichst viel Regenwasser für unseren Garten nutzen wollen, haben wir uns für ein Volumen von 8.200 Litern entschieden. Der vorgeschriebene, gedrosselte Ablauf von 5.000 Litern ergibt ein nutzbares Volumen von 3.200 Litern. Das sollte reichen. Die Grube war aber dann so riesig, dass wir kurzfristig überzeugt waren, das sei viel zu viel. Aber dann dachten wir uns, besser zu viel als zu wenig Wasser, schließlich bedeutet Wasser Leben, besonders im Garten.

Erdarbeiten und Bodenplatte legen stellt eine besondere Herausforderung an das Vertrauensverhältnis zwischen Polier, Erdbeweger und Bauherrn dar. Man sollte sich daher wirklich genau ansehen, mit wem man zusammenarbeitet. Zu schnell wird ein „ah, das brauchen wir nicht“ hingeworfen, was sich im Nachhinein als großes Problem erweisen kann. Die Pläne sind nicht umsonst so exakt gezeichnet, wie wir später feststellen durften.

In jedem Fall braucht man eines: Eine dicke Haut gegen alle Sekptiker. Sie meinen es nicht böse, können es sich einfach nicht vorstellen … und das ist eines der größten Probleme, das man lösen sollte: Wie mache ich dem anderen meine Vision klar?

Aber dazu demnächst mehr!

Bis zum nächsten Mal, Flo & Manu

Wie und wo wir unser Grundstück fanden

Vorab sei gesagt, „das“ Grundstück für alle Fälle gibt es nicht. Jeder hat andere Wünsche, Träume, Vorstellungen und Bedürfnisse. Diese zu kennen, ist die Basis für die Suche nach dem Fleckchen Erde, das man für die nächsten Jahrzehnte sein Zuhause nennt. Für uns waren z.B. wichtig: Eine ruhige Lage ohne viel Verkehr (speziell Durchzugs- und Pendelverkehr), möglichst keine großen Stromleitungen und kein angrenzendes Industriegebiet. Wir wollten außerdem weite Pendelstrecken zur Arbeit vermeiden. Zudem sollte eine Strecke notfalls auch mit dem Fahrrad zu bewältigen sein, was die eine oder andere Ortschaft schon einmal ausschloss – in unserer Gegend gibt es einiges an ziemlich steilen Hügeln. Wir nahmen also eine Landkarte und zogen von der Mitte ausgehend einen Kreis von etwa 10 Kilometern rund um unsere Arbeitsstätten. Danach überlegten wir, welche sonstigen Kriterien noch erfüllt sein sollen. Zu bedenken sind neben den Kosten pro Quadratmeter auch Dinge wie Infrastruktur, Bauvorschriften, ob das Grundstück bereits aufgeschlossen ist oder ob das Haus, das einem vorschwebt, überhaupt in die Gegend/Landschaft passt. Zugegeben, der letzte Punkt findet heute nicht mehr so viel Beachtung, was wir schade finden.

gegend_holzhaus
Altes, typisches Holzhaus für die Gegend

Es gab dann so etwas wie eine Reihe von A-HA-Erlebnissen, die unsere Entscheidung positiv beeinflussten: Auf der Fahrtstrecke blühten jede Menge Kornblumen im Feld neben der Straße. Es gibt zwei kleine, angrenzende Waldgebiete und ein Bächlein verläuft gleich neben dem Ortskern. Wir gingen langsam spazieren, sahen uns die Häuser an, die alte, gewachsene Struktur der Gebäude und Straßen, warfen einen Blick in die kleine Kirche und waren verzaubert. Sofort fühlten wir uns wohl und das beste war, dass der Ort alle unsere Kriterien erfüllte. Und es gab über 20 neue Bauparzellen. Wir entschieden uns für eine etwa 1.000 Quadratmeter große Parzelle, die ideal war, um unseren Traum vom großen Garten zu verwirklichen. Hier ein paar Bilder:

 

Bis zum nächsten Mal, Flo & Manu

Bist du gelehmt! – Das Bodengutachten

Das Bodengutachten, oder auch geotechnischer Untersuchungsbericht wurde bereits im März 2015 durchgeführt. Der Vollständigkeit halber wollen wir Euch die Bilder dazu zeigen. Außerdem kamen wir bei der Wahl des Geotechnikers erstmals an unsere nervlichen Grenzen. Ein Urschrei in einem nahegelegenen Wäldchen half uns beim Aggressionsabbau, seitdem lief alles wieder glatt.

Es gibt bei den Geotechnikern alle möglichen Ausdrücke, z.B. Rammsondierung, Rammkernsondierung, Nutsondierung. Wir hatten uns Angebote von verschiedenen Firmen machen lassen. Ergebnis war: Jeder bot etwas anderes an. Von den Preisen wollen wir gar nicht reden. Wir wussten nicht weiter und das Internet half nur bedingt. Schließlich entschieden wir uns nach Rücksprache mit Axxfloor (Thermobodenplatte) für ein Angebot und ließen uns vor Ort die Unterschiede erklären.

Vielleicht können wir mit der folgenden Erklärung anderen Bauherren helfen, denn rückblickend ist es gar nicht so schwer.

Rammsondierungen dienen zur Erkundung der Lagerungsverhältnisse nichtbindiger Böden, zur Nachprüfung der Wirksamkeit von Verdichtungsmaßnahmen im Untergrund und in Anschüttungen sowie zur Gewinnung von Hinweisen auf die Zustandsform bindiger Böden. Außerdem können dadurch Informationen über bodenphysikalische Kennwerte zur Beurteilung der Belastbarkeit des Bodens gewonnen werden. Dazu wird ein Gewicht in den Boden gerammt, Gewicht, Fallhöhe usw. sind genormt.

Verfahren der Nutsondierung dient zur Erkundung der Schichtfolge im Untergrund am jeweiligen Aufstellungspunkt. Dies erfolgt durch Eintreiben einer geschlitzten Sonde (Nutsonde) in den Untergrund und anschließendes Ziehen. Weiters wird eine allfällige Durchnässung des Bodens sowie allfällig vorhandenes Grundwasser registriert.

Die Rammkernsondierung ist ähnlich der Nutsondierung, wird aber bei eher sandigen Böden eingesetzt, da der lockere Boden bei der Nutsondierung nicht kleben bleiben und herausfallen würde. Vorstellen kann man sich das ganze wie eine Eiskernbohrung.

Wir können nur empfehlen, Angebote genau zu lesen und zu vergleichen, so gut es geht. Teilweise wurde uns Baggerschürfe angeboten (Bagger bauseits). Vorsicht! Bauseits bedeutet, dass dieser nicht im Preis enthalten ist und vor Ort zur Verfügung gestellt werden muss, was zusätzlichen organisatorischen Aufwand und Kosten verursacht.

Um sich zu entscheiden hilft es, die Bodenverhältnisse in etwa zu kennen, dazu kann man z.B. die Nachbarn befragen.Geotechniker sehen üblicherweise in einer Datenbank nach und entschieden dann, welche Sondierung die geeignete ist. Wie wir feststellen mussten, ist das aber keine Garantie dafür, diese Variante auch angeboten zu bekommen.

Letzendlich wurde bei uns eine Ramm- sowie eine Nutsoniderung durchgeführt und das reichte für unser Grundstück aus.

Bis ganz bald, Flo und Manu

Was bisher geschah …

September 2011, Schweden, in der Nähe von Arboga …

Obwohl uns alle gewarnt hatten, dass es im Herbst in Schweden regnet, schneit und zu Mittag schon finster ist, sind wir trotzdem gefahren. Nicht nur das, wir mieteten uns für zwei Wochen auf einem Bauernhof ein: „Bo på Lantgård“ nennt sich das im Land der Wikinger. Kein Fernseher, kein Computer, kein Telefon. Nur die Natur und wir … auf Tåby Gård

Cicci und Steffan, die damaligen Besitzer, holten uns vom Bahnhof ab und traten gleich mal die erste Hiobs-Botschaft los. „Ihr seid unsere letzten Besucher. Wir haben alles verkauft, um am Fluß ein Steinhaus zu renovieren. Das wird unser Alterssitz.“ Manu und ich sahen uns mit großen Augen an. Da saßen wir in einem engen Transporter mit zwei Mit-60igern, die einfach mal so ihr Lebenswerk an die nächste Generation übergaben, um nochmal ein Haus zu bauen – und wir beiden Mit-30iger grübelten darüber nach, ob wir überhaupt unser erstes Haus zustande bringen würden. Als wir dann am Hof ankamen, waren wir einfach nur geplättet. DAS war der Hof von Cicci und Steffan, der einst vollkommen von Unkraut und Stauden verwachsen war und den sie von grundauf saniert hatten???

Ein „einfacher“ Bauernhof in Arboga

Kurz nachdem wir unser Quartier im ersten Stock eines ausgebauten Heuschobers bezogen hatten sahen wir uns zweifelnd an. Jeder hauchte ein langgezogenes: „ooookkkkaayyyyy“ über die Lippen. Einfache Holzbetten, ein Schweden-Holzofen in der Mitte, etwa 90 Quadratmeter Holzboden. Als jedoch der Hahn krähte und die Hühner aus dem Hühnerstall direkt vor unser kleines Fenster stürmten, beschlossen wir es ab sofort mal ganz anders zu versuchen. Langsamer, zurück zur Natur, zurück zum Leben. Manu warf auch gleich mal den eleganten Begriff „slow-trotting“ in den Raum. Also setzten wir uns in die Sonne und überlegten, wie man dieses Wort mit Inhalt füllen könnte.

„Slowtrotting“ kann durchaus als Spielart des „slow traveling“ betrachtet werden, mit mehr Gewicht auf Kommunikation und Zeit. Das heißt:

  • Zu Fuß und mit dem Rad, mit Bus und der Bahn vorwärts kommen
  • Englisch, Deutsch, Schwedisch, Hände und Füße zur Kontakaufnahme verwenden
  • Ins Abenteuer stürzen und nicht drauf warten, dass es sich auf Dich stürzt

In den kommenden Wochen werden wir Euch Sagas von Geisterbussen erzählen, von Ausritten auf Isländer-Ponys, von Flugstunden in einem Flugsimulator, von einem dreistöckigen Flohmarkt-Haus, vom Fangen eines Huhns mit einer Flasche Rosé, von gestohlenen Rädern, vom Einfangen einer Schafsherde und von Gesprächen, die unsere Weltsicht neu definierten.

Ha så kul!

Manu und Flo