„Verzier Dich!“ oder Wie unsere Veranda Schnörkel bekam

Heute möchten wir euch auf unserer Veranda willkommen heißen. Der Übergang vom Drinnen zum Draußen ist bei den meisten klassischen Schwedenhäusern eine hölzerne Veranda, eingefasst von einem Geländer, und mit Dach oder Balkon darüber, oder, bei kleineren Häusern, wenigstens ein überdachter Eingangsbereich. Es ist dies ein geschützter Bereich, der den Übergang vom privaten zum öffentlichen Raum abmildert. Ein Platz zum Begrüßen von Besuch, zum Öffnen eines Regenschirms ohne nass zu werden, oder um den Schlüsselbund hervorzukramen. In jedem Fall auch ein Bereich, den man schön gestalten kann. Und darum geht es im heutigen Blogbeitrag.

Bei den bisherigen Bildern sieht man unsere Veranda mit dem Geländer so, wie sie ursprünglich geplant und auch gebaut wurde. Nämlich mit Öffnung nach vorne und symmetrisch. Allerdings stellte sich bald heraus, dass es so zwar schön aber unpraktisch war. Kurzerhand beschlossen wir, eines der Seitengeländer herauszunehmen und vorne einzusetzen. Es war etwas zu kurz, weshalb es verlängert wurde und dann weiß nachgestrichen. Das geht ganz einfach bei einem Holzhaus! Übrigens haben wir auch den Handlauf weiß gestrichen, so gefiel es uns besser.

Eine ganz tolle Sache sind die in Schweden typischen Verzierungen aller Art. Damit kann man sein Haus ohne großen Aufwand persönlicher machen. Vom Windbrett am Dach über Giebelschmuck, Eckenornamenten bei der Veranda, Fensterverzierungen oder einem Geländer mit Muster – alles ist möglich ohne jemals kitschig zu wirken, für jeden Geschmack gibt es das richtige. Man denke nur an die Villa Kunterbunt.

Nun, bei unserem klassischen Michel sind bereits ein paar Verzierungen inklusive. Doch wir wollten mehr. Eckverzierungen bei der Veranda! Damit liebäugelten wir schon lange.

Wie also vorgehen? Zuerst überlegten wir, ob es möglich war, die Verzierungen selbst anzufertigen. Uns schwebte ein filigranes Muster mit vielen kleinen Details und geschwungenen Linien vor. Würde sich das machen lassen? Schwierig. Also suchten wir im Internet nach vorgefertigten Stücken. Wir entdeckten eine schwedische Seite, Gaveldekor, die auch in Deutsch und Englisch abrufbar ist und über die man bestellen kann. Hier findet man jegliche Arten von Verzierungen für ein Schwedenhaus. Beim Scrollen durch die Ecken-Zierornamente wurde unser Lächeln immer breiter – genau so etwas hatten wir gesucht! Und auch der Preis ist super, wenn man bedenkt, dass man sich jeden Tag an den Verzierungen erfreuen darf.

Dann hatten wir die sprichwörtliche Qual der Wahl von ganzen 27 Varianten, jede nochmals in bis zu 7 Größen. Wir suchten dann eine Handvoll Dekore aus und druckten die Outline aus, was sehr empfehlenswert ist, da etwas ausgedruckt immer anders wirkt als auf dem Bildschirm. Hiervon fielen wiederum ein paar Varianten weg. Von denen, die es in die engere Wahl geschafft hatten, fertigte ich Dummys durch Ausschneiden an. Zum Wegschneiden der kleinen Innenteile eignet sich eine Nagelschere. Dann geht es ans Ausprobieren. Den Dummy anbringen (z.B. mit Masking Tape) und die Wirkung prüfen, am besten aus verschiedenen Abständen und Blickwinkeln. Zusätzlich kann man ausprobieren, ob einem hoch oder quer montiert besser gefällt, denn anbringen kann man die Verzierungen je nach Geschmack. Ist die Wahl getroffen, braucht man nur noch die endgültige Größe festzulegen. Ein letzter Dummy, möglichst 1:1 ausgedruckt, hilft bei der Entscheidung, noch besser sind zwei. Dort, wo der Abstand zwischen den Säulen am geringsten ist, sollte man in jedem Fall die Optik prüfen, wenn beide Verzierungen angebracht sind. Bei der Größe kann man sich schnell verschätzen. Dann stand die Entscheidung fest. Das Zierornament 013 liegend in der Größe 39,8 x 35 cm sollte es sein. Es ist wunderschön floral und schnörkelig. Ich mag Schnörkel sehr. Wir bestellten für jedes Eck eine, insgesamt 10 Stück in Standarddicke 18 mm.

Nachdem die Teile geliefert und wir hin und weg waren, fing unsere Arbeit an. Der zweifache Anstrich mit Wetterschutzfarbe braucht etwas Zeit, macht aber Spaß. Wir haben die Farbe direkt ohne Grundierung aufgetragen. Die Farbe nicht zu dick auftragen und die Trocknungszeit zwischen den beiden Anstrichen laut Herstellerangaben beachten.

Dann konnten wir uns ans Montieren machen. Das Material besteht aus Birkensperrholz. Die getrockneten Holzlagen werden beleimt, kreuzweise übereinander gelegt und unter Wärmeeinwirkung gepresst. Dadurch wird eine hohe Stabilität erreicht und es können sehr filigrane Muster ausgefräst werden. Üblicherweise befestigt man Terrassen-Zierornamente in Kombination mit Leim und einer Schraube an jeder Spitze. Auf den Leim haben wir verzichtet. Das Holz der Säulen ist sehr hart, weshalb es gut ist, bei den Spitzen der Verzierungen Löcher vorzubohren, etwas geringer im Durchmesser als die Holzschraube. So verhindert man, dass die Holzlagen splittern. Wir haben die Spitzen leicht schräg angebohrt, da die Montage so leichter war. Nach dem Anbringen kam noch ein Klecks Farbe über den noch sichtbaren Schraubenteil und voilà, fertig war unsere einzigartige Veranda.

Ein paar weitere Kleinigkeiten zur Individualisierung unseres Schwedenhauses möchten wir euch heute noch vorstellen: Die Hausnummer, den Postkasten und eine Glocke neben der Eingangstür.

Die Ziffern für unsere Hausnummer haben wir aus Holz von einem Freund ausschneiden lassen. Zuvor habe ich auch hier Dummys aus Papier ausgedruckt, nachdem ich mich für eine Schriftart entschieden hatte. Unser
Michel mit der klassischen Holzfassade erlaubte eine maximale Breite von 10 cm, weshalb ich eine Schrift mit schmaler Laufweite ausgesucht habe. Die Holzdicke haben wir ebenfalls der Fassade angepasst, damit die Ziffern nicht vorstehen, und oben mit leichter Schräge versehen, damit Wasser abfließen kann. Lackiert haben wir zweimal mit weißem 2in1 Buntlack, der die Grundierung schon enthält, und für innen und außen geeignet ist, in seidenmatt. Auch hier unbedingt Löcher vorbohren, damit das Holz beim Anschrauben nicht springt.

Zum Postkasten gibt es nicht viel zu erzählen, außer vielleicht, dass wir ein weißes Modell in klassischem Design ausgesucht haben. Wir haben ihn bestellt, angeschraubt und finden ihn sowohl schön als auch zweckmäßig.

Türglocken neben der Eingangstür sieht man häufig bei Schwedenhäusern, und auch uns gefallen sie gut. Wie es der Zufall wollte, entdeckte ich eine solche Glocke während eines Italienaufenthalts. In dem mittelalterlichen, märchenhaft anmutenden Dorf in Grazzano Visconti gibt es zahllose, kleine Geschäfte und Kunsthandwerksläden. Ich habe sie in einem Laden gesehen, der Allerlei aus Metall anbot und wusste, die passt perfekt. Kaum zu glauben, sie hat keine 20 Euro gekostet. Das Dorf ist übrigens einen Besuch wert. Es ist um die Burg von Grazzano erbaut und liegt wenige Kilometer südlich von Piacenza, etwa eineinhalb Stunden südöstlich von Mailand entfernt. Zudem ist es von einem herrlichen Park umgeben. Das Anbringen der Glocke ist ganz simpel wie immer, einfach mit Holzschrauben befestigen, fertig. Wer Bedenken hat, dass die Glocke bei starkem Wind läutet, den kann ich beruhigen, das passiert nicht.

Einige Angaben für Interessierte:

Ich wünsche Euch viel Inspiration und bis bald,

Eure Manuela

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